Einfache Sprache

Frühförderstellen in Stendal und Osterburg helfen bei Entwicklungsverzögerungen.

Es hapert an der Sprache, das Kind kann sich nicht konzentrieren, hat motorische Probleme, ist sehr unruhig oder geistig besonders langsam entwickelt – Eltern, die dies bei ihrem kleinen Kind beobachten, finden Unterstützung bei der Frühförderung der Lebenshilfe. Zwei Anlaufstellen gibt es im Landkreis, seit nunmehr 25 Jahren.

Stendal/Osterburg

Manche Kinder sind ihren Altersgenossen etwas hinterher, manches gelingt ihnen nicht so wie anderen. Wenn sie in die Schule kommen, müssen sie aber auf einem gewissen erwarteten Entwicklungsstand sein – und damit sie den erreichen, gibt es Hilfe von der Heilpädagogischen Frühförderung. Zwei solcher Stellen hat die Lebenshilfe gGmbH im Landkreis Stendal, und zwar seit 25 Jahren: in Osterburg und Stendal. Das Jubiläum der Gründung im August 1994 wurde jetzt mit Wegbegleitern, Netzwerkpartnern, Familien und Erziehern gefeiert.

Auch die Eltern sind gefragt

Kinder aus dem ganzen Landkreis, bis zum Alter von sechs, sieben Jahren, werden von zehn Fachkräften betreut, entweder in den Frühförderstellen selbst oder aber im Kindergarten, im Heim oder im Zuhause – 128 sind es derzeit. Manche von ihnen sind in ihrer geistigen Entwicklung verzögert, haben Schwierigkeiten im sozialen Umgang, Probleme beim Hören, Sehen oder Sprechen, sind für ihr Alter nicht selbstständig genug oder können ihre Körperbewegungen nicht gut koordinieren.

„Die gesellschaftliche Entwicklung spiegelt sich in unserer Arbeit wider“, sagt Elvira Heinemann, „früher hatten wir vor allem behinderte Kinder, jetzt sind es viele mit Entwick-lungsverzögerung oder mit familiären Problemlagen.“ Auch sei der Anteil sprachlicher Förderung gestiegen, während es in der Anfangszeit mehr ergotherapeutischen Bedarf gab.

Dass ihre Arbeit Erfolge zeitigt, dafür gibt es natürlich einen Parameter schlechthin: „Die Entwicklungsfortschritte“, sagt die Stendaler Bereichsleiterin Kathrin Schulze. Außerdem hätten beide Stellen einen nach wie vor hohen Zulauf, werden von Erziehern oder Kinderärz-ten empfohlen. Nicht zuletzt hänge der Erfolg der Förderung aber stark von den Eltern selbst ab: „Es ist wichtig, dass sie das, was wir mit den Kindern bei uns üben, auch zu Hause anwen-den“, sagt Schulze. Darum sei es gut, wenn sie bei der Förderung jeweils mit dabei sind und zuschauen können. Nicht immer ist das möglich, „aber alle Eltern bekommen eine Rück-meldung von uns“, bekräftigt Elvira Heinemann, „sie sind nie außen vor“. Ebensowenig die Erzieher in den Kitas, die durch die Erfahrung aus der Frühförderung womöglich auch noch mal einen anderen Blick aufs Kind, andere Möglichkeiten zur Anleitung bekommen. „Das kann man dann ja auch gut in der Gruppe umsetzen.“

Individuell und ganzheitlich

Klar ist, dass jedes Kind ganz individuell betrachtet und betreut wird, wie Heinemann erklärt: „Jedes Kind hat einen anderen Hintergrund, hat andere Stärken und Schwächen. Das macht unsere Arbeit sehr abwechslungsreich und interessant.“ Und ihre Kollegin Schulze ergänzt: „Wir arbeiten ganzheitlich, zwar hat jeder seine Spezialisierung, aber wir ergänzen uns gegenseitig, tauschen uns natürlich aus.“

Was aus den Kindern, die bei ihnen waren, wird, erfahren die zehn Frauen selten. „Es sind eher zufällige Begegnungen, man wird draußen erkannt und angesprochen“, gibt Hei-nemann ihre Erfahrung wieder. Manchen Werdegang verfolgen sie auch dadurch, dass jüngere Geschwisterkinder in die Frühförderung kommen. „Und manchmal erfahren wir es auch aus der Zeitung, wenn wir den ein oder anderen Namen lesen.“

Quelle: Volksstimme Osterburg  vom 30. Oktober 2019, von Nora Knappe